Systeme & Teile · 6 Min. Lesezeit

Ersatzteile für ältere Gerüstsysteme: Maße aufnehmen und richtig anfragen

Ihr Gerüst ist älter oder die Baureihe wird so nicht mehr gebaut? So bestimmen Sie System und Maße und fragen gezielt nach gebrauchten Teilen.

Für ältere Gerüstsysteme oder Baureihen, die nicht mehr in der ursprünglichen Form hergestellt werden, ist der Gebrauchtmarkt oft die einzige Quelle für Nachkauf. Damit die Suche gelingt, brauchen Sie drei Dinge: das richtige System mit Hersteller und Baureihe, ein paar genau gemessene Maße und aussagekräftige Fotos von Anschlüssen und Prägungen. Mit diesen Angaben kann ein Händler schnell sagen, ob passende Teile am Lager sind. Ohne sie wird aus einer einfachen Anfrage schnell ein langes Hin und Her.

Warum ältere Systeme eine eigene Herausforderung sind

Gerüst hält lange. Viele Betriebe arbeiten mit Material, das Jahrzehnte alt ist und noch einwandfrei funktioniert. Im Lauf der Zeit haben Hersteller aber ihre Produkte weiterentwickelt, Baureihen umgestellt oder zusammengelegt, und manche Unternehmen wurden übernommen. Für den Besitzer eines älteren Gerüsts bedeutet das: Ein bestimmter Boden oder ein bestimmtes Geländer ist nicht mehr einfach im Katalog zu finden.

Hinzu kommt, dass sich Teile verschiedener Baujahre desselben Systems unterscheiden können – etwa in Belagsbreite, Anschlussart oder Rohrwandstärke. Ob ältere und neuere Teile gemeinsam verwendet werden dürfen, ergibt sich aus der Zulassung und der Anleitung des Herstellers. Teile anderer Hersteller kommen nur infrage, wenn eine Zulassung den gemischten Einsatz ausdrücklich regelt.

Schritt 1: System und Hersteller bestimmen

Den ersten Hinweis geben Prägungen und Stempel. An Rahmen, Stielen, Böden und Geländern finden sich oft Herstellerzeichen, Zulassungsnummern oder Jahreszahlen. Sie sind unter Farbe und Beton manchmal schwer zu erkennen; ein Drahtbürstenstrich an der richtigen Stelle hilft. Wie man diese Zeichen deutet, beschreibt der Beitrag Prägung und Baujahr.

Fehlen lesbare Prägungen, helfen Bauform und Anschlüsse weiter. Eine Übersicht über verbreitete Systeme mit ihren Merkmalen finden Sie unter Gerüstsysteme; zu weniger verbreiteten Fabrikaten gibt es die Seite sonstige Hersteller.

Schritt 2: Maße aufnehmen

Messen Sie mit einem Zollstock oder Bandmaß und notieren Sie, wie Sie gemessen haben – von Außenkante zu Außenkante oder von Rohrmitte zu Rohrmitte. Gerade bei Feldlängen führt diese Angabe oft zu Missverständnissen.

MaßSo messen SieWarum es wichtig ist
RahmenbreiteAußenkante bis Außenkante der StieleBestimmt Baureihe und Belagsanzahl
RahmenhöheUnterkante Stiel bis Oberkante Querriegel, ohne RohrverbinderRegelrahmen oder Ausgleichsrahmen
FeldlängeMitte Stiel bis Mitte Stiel im aufgebauten Gerüst oder Gesamtlänge des BodensGrundlage für Böden, Geländer, Diagonalen
RohrdurchmesserAußendurchmesser mit MessschieberPassung von Kupplungen und Verbindern
BelagsbreiteBreite der LaufflächeZahl der Beläge je Feld
Abstand der AnschlüsseHöhe der Bolzen, Kippstifte oder Taschen am StielGeländer und Diagonalen müssen dort sitzen

Bei Modulgerüsten kommen der Abstand der Knoten am Stiel und die Form der Anschlussscheibe hinzu. Bei Böden ist die Art der Einhängung entscheidend: Klaue, Haken, Bolzen oder Auflage im Profil.

Schritt 3: Fotos, die weiterhelfen

Ein gutes Foto spart oft mehrere Rückfragen. Bewährt haben sich:

  • ein Foto des ganzen Teils mit einem aufgeklappten Zollstock daneben,
  • Nahaufnahmen beider Enden eines Bodens mit der Einhängung,
  • eine Nahaufnahme der Anschlüsse am Rahmenstiel von vorn und von der Seite,
  • die Prägung oder der Stempel, möglichst gereinigt und im Streiflicht fotografiert,
  • ein Übersichtsfoto des aufgebauten Gerüsts, falls vorhanden.

Unscharfe Bilder aus großer Entfernung helfen wenig. Lieber vier klare Nahaufnahmen als zwanzig Übersichten. Fotografieren Sie bei Tageslicht und legen Sie das Teil auf einen ruhigen Untergrund, damit Konturen gut zu erkennen sind. Wenn Sie mehrere unterschiedliche Teile anfragen, nummerieren Sie die Fotos und verweisen in Ihrer Liste auf die Nummern – so lässt sich jedes Bild eindeutig einer Position zuordnen.

Schritt 4: Anfrage stellen

Eine gute Anfrage enthält das vermutete System, die benötigten Teile mit Stückzahl, die gemessenen Maße und die Fotos. Schreiben Sie auch dazu, wofür Sie die Teile brauchen – etwa „Erweiterung um zwei Lagen“ oder „Ersatz für beschädigte Böden“. Dann können wir einschätzen, ob neben den genannten Teilen weitere Positionen fehlen.

Im Leipziger Lager führen wir rund 2.300 Artikel. Den Schwerpunkt bilden Teile von Layher, Hünnebeck, Rux und Plettac, dazu kommen systemunabhängige Kupplungen und Rohre. Von anderen Herstellern sind nur einzelne Teile vorhanden. Der Bestand wechselt laufend, weil wir regelmäßig Material ankaufen. Ist ein Teil heute nicht da, kann sich eine spätere Nachfrage lohnen. Schicken Sie Ihre Anfrage per E-Mail oder über die Kontaktseite, einzelne Teile finden Sie auch unter Gerüstteile bestellen.

Wenn sich nichts Passendes findet

Manchmal ist eine Baureihe so selten, dass über längere Zeit keine passenden Teile auftauchen. Dann gibt es im Wesentlichen zwei Wege:

Mit dem vorhandenen Material planen

Das Gerüst wird in dem Umfang eingesetzt, den der vorhandene Bestand zulässt. Für Sonderlösungen sieht die Anleitung mancher Systeme Ergänzungen aus Rohren und Kupplungen vor. Was dort nicht beschrieben ist, erfordert einen gesonderten Nachweis durch Fachleute.

Auf ein verbreitetes System umsteigen

Wer regelmäßig an seine Grenzen stößt, verkauft den alten Bestand und steigt auf ein verbreitetes System um, bei dem Nachkauf einfacher ist. Ältere, gut erhaltene Gerüste haben oft noch einen ordentlichen Wert. Wie der Ankauf bei uns funktioniert, steht unter Gerüst verkaufen; welche Systeme wir als Paket führen, sehen Sie unter gebrauchte Gerüste.

Gebrauchte Teile für ältere Systeme prüfen

Teile älterer Baureihen haben oft schon viele Einsätze hinter sich. Prüfen Sie sie deshalb besonders sorgfältig: Ist der Zinküberzug noch geschlossen, oder zeigt sich an Rohrenden und Nähten Rost darunter? Sind Holzbeläge und Bordbretter noch fest, oder sind sie weich und rissig? Lassen sich Kippstifte und Bolzen noch bewegen? Auch bei älterem Material gilt: Was beschädigt ist, wird ausgetauscht, nicht repariert. Woran man brauchbare Gebrauchsspuren von Ausschuss unterscheidet, steht im Beitrag Gebrauchsspuren am Gerüst.

Beispiel für eine vollständige Anfrage

So kann eine Anfrage aussehen, die sich ohne Rückfrage bearbeiten lässt: „Wir suchen für unser vorhandenes Rahmengerüst (Hersteller laut Prägung, Baujahr vermutlich Achtzigerjahre) 20 Stahlböden und 10 Geländer. Rahmenbreite außen 0,72 m, Feldlänge laut vorhandenen Böden 2,57 m Gesamtlänge, Belagsbreite 0,32 m, Einhängung mit Klaue. Geländer werden über Bolzen am Außenstiel gesteckt. Fotos von Boden, Klaue, Bolzen und Prägung anbei. Abholung in Leipzig möglich.“ Die Zahlen sind hier nur ein Beispiel – entscheidend ist, dass System, Menge, Maße, Anschlussart und Fotos zusammen in einer Nachricht stehen.

Was Sie vermeiden sollten

  • Teile „ungefähr passend“ machen: Bohren, Biegen, Schweißen oder Absägen an tragenden Teilen ist nicht zulässig.
  • Teile verschiedener Fabrikate mischen, weil sie sich mechanisch verbinden lassen – das allein sagt nichts über die Zulässigkeit.
  • Nach Gefühl bestellen: Ohne Maße und Fotos ist das Risiko groß, dass die Teile nicht zum Bestand gehören.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, welches System ich habe?

Am sichersten an Prägungen und Stempeln mit Herstellerzeichen oder Zulassungsnummer. Fehlen diese, helfen Bauform, Rahmenbreite, Belagseinhängung und die Art der Anschlüsse am Stiel weiter.

Welche Maße braucht ein Händler für eine Anfrage?

Rahmenbreite, Rahmenhöhe, Feldlänge, Rohrdurchmesser, Belagsbreite und die Höhe der Anschlüsse am Stiel. Notieren Sie, ob Sie außen oder von Rohrmitte zu Rohrmitte gemessen haben.

Darf ich neuere und ältere Teile desselben Systems mischen?

Das ergibt sich aus der Zulassung und der Anleitung des Herstellers. Unterscheiden sich Teile verschiedener Baujahre, sollte man vorher klären, ob sie gemeinsam verwendet werden dürfen.

Kann ich ein fehlendes Teil durch ein Teil eines anderen Herstellers ersetzen?

Nur, wenn eine Zulassung diesen gemischten Einsatz ausdrücklich abdeckt. Dass sich Teile mechanisch verbinden lassen, reicht als Nachweis nicht aus.

Was mache ich, wenn keine Ersatzteile zu finden sind?

Entweder planen Sie mit dem vorhandenen Bestand oder Sie verkaufen das alte Gerüst und steigen auf ein verbreitetes System um. Wir kaufen gut erhaltene ältere Gerüste an.

Wie oft ändert sich Ihr Lagerbestand?

Laufend, weil wir regelmäßig ankaufen und verkaufen. Ist ein Teil heute nicht vorrätig, kann eine spätere Nachfrage durchaus Erfolg haben.

Passendes Gerüst finden

Komplette Pakete mit Stückliste stehen unter gebrauchte Gerüste, Einzelteile unter Gerüstteile. Ihre eigene Fassade rechnet der Gerüstkalkulator Wand für Wand.

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