Wie viele Gerüstteile braucht man je 100 m²? Faustwerte für Rahmengerüst
Rahmen, Böden, Geländer, Anker: Mit diesen Faustwerten schätzen Sie den Teilebedarf je 100 m² Fassade, bevor Sie genau rechnen.
Für rund 100 m² Rahmengerüst in schmaler Ausführung mit 2,57-m-Feldern brauchen Sie grob 14 bis 18 Stellrahmen, ebenso viele Fußspindeln, 26 bis 32 Stahlböden, etwa genauso viele Geländer, 13 bis 16 Bordbretter, 4 bis 6 Diagonalen und – je nach Verankerungsraster und Bekleidung – 4 bis 10 Gerüsthalter. Diese Werte sind eine erste Orientierung. Wie viel es im Einzelfall wirklich wird, hängt vom Verhältnis aus Länge und Höhe, von Ecken, Giebeln und der Ausstattung ab. Genau rechnet der Gerüstkalkulator.
Warum Faustwerte nur eine Annäherung sind
Ein Gerüst wird nicht nach Quadratmetern zusammengesetzt, sondern nach Feldern und Lagen. Ein Feld ist der Abschnitt zwischen zwei Rahmenzügen, eine Lage die Höhe eines Rahmens, meist 2 m. Zwei Fassaden mit gleicher Fläche können deshalb sehr unterschiedlich viel Material brauchen: Eine lange, niedrige Wand hat viele Rahmenzüge mit wenigen Lagen, eine kurze, hohe Wand wenige Rahmenzüge mit vielen Lagen. Fußspindeln, Stirnseiten und Unterlagen wachsen mit der Länge, Rahmen und Böden mit Länge und Höhe zugleich.
Hinzu kommt, dass sich Bauteile und Raster je nach System und Hersteller unterscheiden. Die folgenden Zahlen beziehen sich auf ein typisches Rahmengerüst mit 2,00 m hohen Rahmen, rund 0,70 m Breite, Stahlböden von etwa 0,32 m Breite und Feldern von 2,57 m.
Ein Rechenbeispiel Schritt für Schritt
Angenommen sei eine gerade Wand, die mit sieben Feldern zu je 2,57 m eingerüstet wird, also rund 18 m Gerüstlänge. Das Gerüst bekommt zwei Belaglagen, die obere liegt bei 4 m. Als Gerüstfläche setzt man üblicherweise die Länge mal die Höhe der obersten Belaglage plus 2 m an, hier also etwa 18 × 6 m ≈ 108 m². So ergibt sich der Bedarf:
- Rahmenzüge: sieben Felder brauchen acht Rahmenzüge.
- Stellrahmen: acht Züge × zwei Lagen = 16 Rahmen. Oben kommen acht Geländerpfosten oder Geländerrahmen für den Seitenschutz der obersten Lage dazu.
- Fußspindeln: zwei je Rahmenzug = 16, dazu ebenso viele lastverteilende Unterlagen.
- Böden: zwei je Feld und Belaglage = 7 × 2 × 2 = 28 Stahlböden. Mit 0,61 m breiten Alu- oder Robustböden halbiert sich die Zahl.
- Geländer: Haupt- und Zwischengeländer je Feld und Belaglage = 28.
- Bordbretter: eines je Feld und Belaglage = 14.
- Stirnseiten: an beiden Enden je Lage ein Stirngeländer (meist als Doppelgeländer) und ein Stirnbordbrett = 4 + 4.
- Diagonalen: je nach Anleitung mindestens eine je fünf Felder und Lage, hier also 4.
- Gerüsthalter: nach dem Ankerraster der Anleitung; bei unbekleidetem Gerüst in diesem Beispiel ungefähr 4 bis 6, mit Netz oder Plane mehr.
- Aufstieg: bei kompletter Ausstattung je Lage ein Durchstiegsboden mit Leiter, also 2.
Faustwerte je 100 m² im Überblick
| Bauteil | Schmal, Feld 2,57 m | Breit, Feld 2,57 m | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Stellrahmen 2,00 m | ca. 14–18 | ca. 14–18 | mehr bei kurzen, hohen Wänden |
| Geländerpfosten oben | ca. 6–9 | ca. 6–9 | je Rahmenzug einer |
| Fußspindeln | ca. 14–18 | ca. 14–18 | weniger bei hohen Gerüsten |
| Stahlböden 0,32 m | ca. 26–32 | ca. 39–48 | breit: drei je Feld |
| Geländer | ca. 26–32 | ca. 26–32 | Haupt- und Zwischengeländer |
| Bordbretter | ca. 13–16 | ca. 13–16 | im Basispaket oft weniger |
| Diagonalen | ca. 4–6 | ca. 4–6 | laut Anleitung des Systems |
| Gerüsthalter | ca. 4–10 | ca. 4–10 | stark abhängig von Raster und Bekleidung |
Alle Werte sind gerundete Spannen und gelten je nach System und Hersteller unterschiedlich. Maßgeblich ist immer die Aufbau- und Verwendungsanleitung des eingesetzten Gerüsts.
Was die Zahlen verschiebt
Feldlänge
Mit 3,07-m-Feldern brauchen Sie für dieselbe Länge weniger Rahmenzüge und damit weniger Rahmen, Spindeln und Geländerpfosten. Die Böden werden länger und schwerer, ihre Zahl sinkt entsprechend. Kurze Passfelder an Ecken oder vor Hindernissen erhöhen dagegen den Bedarf.
Höhe und Länge
Je höher das Gerüst im Verhältnis zur Länge, desto weniger Spindeln und Stirnseiten entfallen auf einen Quadratmeter. Je länger und niedriger, desto mehr. Ein Gerüst an einem lang gestreckten Bungalow hat deshalb je 100 m² mehr Fußpunkte als eines an einem schmalen, hohen Stadthaus.
Ecken und umlaufende Gerüste
Wird über Eck oder umlaufend gerüstet, fallen an den Ecken Stirnseiten weg. Dafür kommen Eckausbildungen hinzu, je nach System mit zusätzlichen Rahmen, Böden, Kupplungen und Rohren. Wie die Ecke ausgeführt wird, regelt die Anleitung.
Giebel
An Giebeln wird das Gerüst zur Spitze hin höher. Das erhöht in der Mitte die Zahl der Lagen und erfordert unter Umständen kürzere Rahmen zum Ausgleich. Die Fläche lässt sich mit einem einfachen Mittelwert schätzen, die Teilezahl sollte man aber feldweise rechnen.
Ausstattung
Im Basispaket sind Bordbretter nur für einen Teil der Felder enthalten, Durchstiege und Stirnbordbretter fehlen. Wer komplett nach Anleitung bestellt, bekommt diese Positionen dazu. Wer mit einem Basispaket startet, sollte die fehlenden Positionen für seinen Einsatzfall ergänzen. Was üblicherweise fehlt, steht im Beitrag Zubehör, das oft fehlt.
Bekleidung
Netze und Planen fangen Wind. Das Gerüst braucht dann ein engeres Ankerraster, also deutlich mehr Gerüsthalter. Planen Sie Bekleidung von Anfang an ein, wenn Sie Staub- oder Witterungsschutz brauchen.
Kleinteile und Verbrauchsmaterial
In Faustwerten tauchen Kleinteile oft nicht auf, auf der Baustelle fehlen sie dafür umso schneller. Zu jedem Gerüsthalter gehören ein Dübel und eine Ringöse oder eine andere zugelassene Befestigung, je nach Anschluss außerdem eine Kupplung. Unter jede Fußspindel kommt eine lastverteilende Unterlage, auf weichem Boden eine Bohle, die mehrere Spindeln aufnimmt. Wer Ecken mit Rohr und Kupplung ausbildet, braucht dafür passende Rohrlängen und eine Handvoll Normal- und Drehkupplungen. Und für das Schließen von Lücken vor Fenstern oder an Vorsprüngen sind ein paar kurze Böden und Konsolen nützlich.
Als grobe Regel hat sich bewährt: Rechnen Sie bei Dübeln und Ringösen mit etwas mehr als der Zahl der Gerüsthalter, weil beim Setzen immer einmal ein Bohrloch nicht hält. Bei Unterlagen kommt es auf den Untergrund an; auf Pflaster genügt eine Platte je Spindel, auf Rasen oder Schotter braucht es mehr Fläche.
Ein Blick auf Modulgerüst
Beim Modulgerüst lassen sich Faustwerte je 100 m² schwerer angeben, weil Raster und Lagenhöhe freier gewählt werden. Statt Stellrahmen zählen Sie Vertikalstiele, Querriegel in Gerüstbreite und Längsriegel in Feldlänge. Grob gilt: An jedem Rahmenzug eines vergleichbaren Rahmengerüsts stehen beim Modul zwei Stiele, und jede Belaglage braucht ihre eigenen Querriegel. Die Zahl der Teile ist dadurch höher, das Gewicht je Fläche meist auch. Für Modulgerüste rechnen wir lieber anhand einer Skizze mit Maßen.
Von der Schätzung zur Stückliste
Faustwerte helfen, den Umfang eines Projekts einzuordnen und Angebote zu vergleichen. Für die eigentliche Bestellung reichen sie nicht. Unser Gerüstkalkulator erfasst Wand für Wand, berücksichtigt Giebel, Ecken, Belagsart, Breite und Ausstattung und erstellt daraus eine Stückliste. Wie Sie ihn sinnvoll bedienen, zeigt der Beitrag Kalkulator richtig nutzen.
Wer lieber vergleicht, findet unter gebrauchte Gerüste fertig zusammengestellte Pakete mit Stückliste, deren Fläche und Ausstattung ausgewiesen sind. Einzelne Positionen lassen sich über Gerüstteile ergänzen.
Ein letzter Hinweis aus der Praxis: Planen Sie eine kleine Reserve ein, besonders bei Böden, Geländern und Gerüsthaltern. Ein fehlendes Teil auf der Baustelle kostet meist mehr Zeit als ein überzähliges im Lager.
Häufige Fragen
Wie viele Stellrahmen brauche ich für 100 m² Gerüst?
Bei schmalem Rahmengerüst mit 2,57-m-Feldern grob 14 bis 18 Stück, je nach Verhältnis von Länge zu Höhe. Lange, niedrige Wände brauchen eher weniger Lagen, dafür mehr Rahmenzüge.
Wie viele Böden kommen in ein Feld?
Bei der schmalen Baureihe liegen meist zwei Stahlböden von rund 0,32 m nebeneinander, bei der breiten drei. Mit 0,61 m breiten Alu- oder Robustböden reicht in der schmalen Baureihe einer je Feld. Je nach System kann das abweichen.
Wovon hängt die Zahl der Gerüsthalter ab?
Vom Ankerraster, das die Anleitung des Systems vorgibt, von der Gerüsthöhe und davon, ob das Gerüst mit Netz oder Plane bekleidet ist. Bekleidete Gerüste brauchen deutlich mehr Anker.
Wie wird die Gerüstfläche berechnet?
Üblich ist Gerüstlänge mal Höhe der obersten Belaglage plus 2 m. Die Fläche dient zur Einordnung und für Preisvergleiche; die Teilezahl ergibt sich aber aus Feldern und Lagen.
Gelten die Faustwerte für jedes System?
Nein, sie beziehen sich auf ein typisches Rahmengerüst mit 2,00 m Rahmenhöhe und 2,57-m-Feldern. Andere Feldlängen, Breiten oder Modulgerüste ergeben andere Zahlen.
Reichen Faustwerte für eine Bestellung?
Für eine erste Einschätzung ja, für die Bestellung nicht. Dafür sollten Sie im Kalkulator Wand für Wand rechnen oder ein Paket mit ausgewiesener Stückliste wählen.
Passendes Gerüst finden
Komplette Pakete mit Stückliste stehen unter gebrauchte Gerüste, Einzelteile unter Gerüstteile. Ihre eigene Fassade rechnet der Gerüstkalkulator Wand für Wand.