Gebraucht kaufen · 6 Min. Lesezeit

Prägung, Zulassungskennzeichen und Baujahr an gebrauchten Gerüstteilen

Auf fast jedem tragenden Gerüstteil steht, wer es gebaut hat und wann. Wer diese Zeichen lesen kann, kauft gezielter.

Tragende Gerüstteile aus zugelassenen Systemen tragen eine dauerhafte Kennzeichnung: meist ein Hersteller- oder Werkszeichen, eine Jahreszahl und ein Hinweis auf die Zulassung, häufig als Ü-Zeichen. Diese Angaben sind eingeprägt, eingestanzt oder auf ein angeschweißtes Plättchen gesetzt. Sie verraten, aus welchem System ein Teil stammt, wie alt es ungefähr ist und ob es zur Regelausführung nach Aufbau- und Verwendungsanleitung gehören kann. Ein höheres Alter allein macht ein Teil nicht unbrauchbar, eine fehlende Kennzeichnung dagegen schon eher.

Was auf einem Gerüstteil steht

Die Kennzeichnung ist keine Dekoration, sondern Teil der Zulassung. Sie soll sicherstellen, dass ein Teil auch nach Jahren auf der Baustelle noch einem Hersteller und einer Bauart zugeordnet werden kann. Je nach Hersteller und Produktionszeit sieht sie unterschiedlich aus. Typisch sind folgende Bestandteile:

  • Herstellerzeichen: ein Logo, ein Kürzel oder ein Name, oft zusätzlich ein Kennzeichen für das Werk.
  • Jahreszahl: zwei- oder vierstellig, manchmal ergänzt um eine Monats- oder Chargenangabe.
  • Zulassungshinweis: bei Teilen, die unter eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung fallen, meist das Übereinstimmungszeichen und die Zulassungsnummer, bei Gerüsten oft beginnend mit Z-8.1.
  • Typ- oder Größenangabe: bei manchen Teilen die Länge, die Feldweite oder eine Typbezeichnung.

Wo man suchen muss

Die Stelle wechselt von Teil zu Teil. Aus unserer Lagerpraxis lohnt es sich, an diesen Punkten zuerst zu schauen:

TeilHäufige Lage der Kennzeichnung
Stellrahmenam Stiel nahe dem Querriegel, an Knotenblechen oder auf einem kleinen Plättchen
Vertikalstiel (Modul)am Rohr nahe der untersten Rosette oder am Rohrverbinder
Riegelam Keilkopf oder direkt daneben am Rohr
Stahl- und Alubödenan der Stirnseite, am Kopfstück oder an der Klaue
Diagonalen, Geländeram Anschlusskopf oder an einem Ende des Rohres
Kupplungenauf der Schale oder dem Klappbügel
Spindelnan der Fußplatte oder an der Mutter

Unter Farbe und Mörtel ist die Prägung oft kaum sichtbar. Mit einer Drahtbürste, einem Lappen und schräg einfallendem Licht wird sie meist wieder lesbar. Fotografieren Sie die Stelle, bevor Sie weiter suchen – das spart Arbeit, wenn Sie später nachfragen.

Was das Baujahr aussagt – und was nicht

Viele Käufer fragen zuerst nach dem Alter. Die ehrliche Antwort: Das Baujahr ist ein Hinweis, kein Urteil. Es gibt Rahmen aus frühen Produktionsjahren, die nach vielen Einsätzen gerade und rissfrei sind, und junge Teile, die nach einem Transportschaden nichts mehr taugen. Ein festes Ablaufdatum für Gerüstteile ist uns nicht bekannt; maßgeblich ist der Zustand im Einzelfall.

Nützlich ist die Jahreszahl trotzdem:

  • Sie zeigt, ob ein Posten aus einer Produktion stammt oder bunt gemischt ist.
  • Sie hilft, Bauformen zu unterscheiden, wenn ein Hersteller ein System im Lauf der Zeit verändert hat.
  • Sie gibt einen Anhaltspunkt, welche Fassung der Aufbau- und Verwendungsanleitung beim Hersteller anzufragen ist.

Beim Wiederverkauf spielt das Alter dagegen kaum eine Rolle, solange das System gefragt und das Material in Ordnung ist. Händler und Käufer schauen auf Zustand, Vollständigkeit und System – die Jahreszahl ist eher eine Randnotiz im Gespräch.

Wenn die Kennzeichnung fehlt

Ist auf einem tragenden Teil gar nichts zu finden, ist Vorsicht angebracht. Möglich ist, dass die Prägung abgenutzt oder überlackiert wurde. Möglich ist aber auch, dass es sich um ein Nachbauteil ohne Zulassung handelt oder um ein Teil, das nachträglich verändert wurde. Für den Einsatz in der Regelausführung muss nachvollziehbar sein, dass ein Teil zur zugelassenen Bauart gehört. Lässt sich das nicht klären, gehört es nicht ins Gerüst. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Zulassung bei Gebrauchtgerüst.

Bei systemfreien Teilen wie Gerüstrohren und Kupplungen ist die Lage etwas anders. Auch hier gibt es Kennzeichnungspflichten und Normen, die Ausführung unterscheidet sich aber von Systemteilen. Kupplungen tragen in der Regel ein Herstellerzeichen und eine Klassenangabe.

Prägung und System bestimmen

Wer einen vorhandenen Bestand erweitern will, braucht zuerst Klarheit, welches System er eigentlich besitzt. Die Prägung ist dafür der zuverlässigste Weg, zusammen mit Maßen wie Rahmenbreite, Feldlänge und Rohrdurchmesser. Schicken Sie uns Fotos der Kennzeichnung und eines ganzen Teils mit angelegtem Zollstock. Damit können wir in vielen Fällen sagen, welche Teile wir aus demselben System am Lager haben. Eine Übersicht der Systeme, die wir regelmäßig führen, finden Sie unter Gerüstsysteme; Hinweise zu älteren Bauformen im Ratgeber Ersatzteile für ältere Systeme.

Ein wichtiger Punkt: Dass zwei Teile ähnlich aussehen oder sich stecken lassen, heißt nicht, dass sie zusammen eingesetzt werden dürfen. Stammen sie von verschiedenen Herstellern, braucht es eine Zulassung, die genau diese Mischung erlaubt – sonst bleiben sie getrennt.

Firmenzeichen sind keine Herstellerprägung

Viele Gerüstbaubetriebe schlagen eigene Zeichen in ihr Material: Initialen, Nummern, manchmal ein ganzes Kürzel. Andere bohren kleine Löcher in Bordbretter oder sägen Kerben in Holzbeläge, um ihr Eigentum wiederzuerkennen. Diese Zeichen stehen oft dicht neben der eigentlichen Herstellerprägung und werden leicht verwechselt. Sie sagen nichts über System oder Zulassung, verraten aber, durch wessen Hände ein Teil gegangen ist. Bei Material aus privater Hand kann das ein Anlass sein, nach der Herkunft zu fragen. Achtung bei Bohrungen: Wer zur Markierung in ein tragendes Rohr gebohrt hat, hat das Teil verändert – solche Stücke gehören nicht mehr ins Gerüst.

Kennzeichnung bei Belägen und Kleinteilen

Bei Stahl- und Aluminiumböden ist die Kennzeichnung meist an den Kopfstücken angebracht, also dort, wo die Klauen sitzen. Weil gerade diese Stellen beim Stapeln aneinanderschlagen, ist sie dort häufig angeschlagen oder zugeschmiert. Holzbohlen ohne Systemanschluss tragen oft eine Kennzeichnung auf einem Blech an der Stirnseite. Bei Kleinteilen wie Bordbrettbolzen, Keilen oder Halbkupplungen fällt die Kennzeichnung naturgemäß knapp aus oder fehlt; hier ist die Zuordnung über die Bauform und das Teil, an dem sie befestigt sind, sinnvoller.

Prägung dokumentieren lohnt sich

Wenn Sie ein gebrauchtes Gerüst kaufen, fotografieren Sie die Kennzeichnungen einiger typischer Teile und legen Sie die Bilder zu Ihren Unterlagen. Das hilft später bei drei Gelegenheiten: wenn Sie die passende Aufbau- und Verwendungsanleitung suchen, wenn Sie Teile nachkaufen und wenn Sie das Gerüst irgendwann wieder verkaufen. Ein Käufer oder Händler kann Ihr Material dann ohne Besichtigung schon gut einordnen.

Prägungen beim Kauf gezielt nutzen

Für den Gebrauchtkauf heißt das ganz praktisch:

  1. Bitten Sie bei Fotos vom Verkäufer immer um eine Nahaufnahme der Prägung, nicht nur um Übersichtsbilder.
  2. Prüfen Sie bei einer Besichtigung einige Teile aus verschiedenen Stapeln, nicht nur die obersten.
  3. Notieren Sie Hersteller und Jahreszahlen, wenn Sie einen gemischten Posten bewerten.
  4. Fragen Sie nach, wenn ein Teil gar keine Kennzeichnung zeigt, und kaufen Sie es nicht als tragendes Teil.

Bei uns sind die Teile nach System sortiert, sodass Sie nicht selbst zwischen Herstellern trennen müssen. Wer dennoch selbst nachsehen möchte, ist im Lager in Leipzig willkommen – nach Terminabsprache. Welche Pakete aktuell verfügbar sind, zeigt die Seite gebrauchte Gerüste.

Häufige Fragen

Wie alt darf ein gebrauchtes Gerüstteil sein?

Eine feste Altersgrenze ist uns nicht bekannt. Entscheidend ist, ob das Teil zur zugelassenen Bauart gehört und unbeschädigt ist. Das Baujahr ist ein Hinweis, ersetzt aber nicht die Sichtprüfung.

Was bedeutet das Ü-Zeichen auf einem Gerüstteil?

Das Übereinstimmungszeichen zeigt an, dass ein Bauprodukt mit den technischen Vorgaben übereinstimmt, auf die es sich bezieht, bei Gerüstteilen meist mit einer Zulassung. Es steht häufig zusammen mit der Zulassungsnummer auf dem Teil.

Ich finde keine Prägung auf meinem Rahmen – was nun?

Reinigen Sie die üblichen Stellen am Stiel und an Knotenblechen und leuchten Sie schräg darauf. Bleibt das Teil ohne Kennzeichnung, sollte es nicht als tragendes Teil eingesetzt werden.

Kann ich anhand der Prägung mein Gerüstsystem bestimmen?

Meist ja, zusammen mit einigen Maßen wie Rahmenbreite, Feldlänge und Rohrdurchmesser. Senden Sie uns Fotos von Prägung und ganzem Teil, dann sagen wir, was wir aus diesem System am Lager haben.

Dürfen Teile mit unterschiedlichen Baujahren zusammen verbaut werden?

Innerhalb desselben Systems ist das üblich, solange alle Teile zur zugelassenen Bauart gehören. Hat der Hersteller Bauformen geändert, gibt die Aufbau- und Verwendungsanleitung Auskunft, was zusammengehört.

Passendes Gerüst finden

Komplette Pakete mit Stückliste stehen unter gebrauchte Gerüste, Einzelteile unter Gerüstteile. Ihre eigene Fassade rechnet der Gerüstkalkulator Wand für Wand.

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