Eigenes Gebrauchtgerüst für Maler, Dachdecker und Zimmerer
Ab wann rechnet sich ein eigenes Gerüst für den Betrieb? Eine Rechnung mit Auslastung, dazu Lager, Fahrzeug, Unterweisung und Prüfung im Überblick.
Für Maler-, Dachdecker- und Zimmererbetriebe rechnet sich ein eigenes gebrauchtes Gerüst, wenn es regelmäßig im Einsatz ist und der Betrieb Platz zum Lagern, ein passendes Fahrzeug und geschulte Leute hat. Wer mehrmals im Jahr kleinere Fassaden oder Dächer einrüstet, spart Abstimmung mit Fremdfirmen und wird bei Terminen unabhängiger. Wer nur ein- bis zweimal im Jahr Gerüst braucht, fährt mit einem beauftragten Gerüstbauer meist einfacher.
Die Grundrechnung: Auslastung schlägt Kaufpreis
Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung. Ein eigenes Gerüst kostet zusätzlich Lagerfläche, Fahrzeugzeit, Arbeitsstunden für Auf- und Abbau sowie Prüfung und Pflege. Dem stehen eingesparte Fremdkosten, flexible Termine und weniger Leerlauf gegenüber. Wie oft das Gerüst steht, ist deshalb die wichtigste Größe.
Beispiel Malerbetrieb mit vier Mitarbeitern
| Annahme | Wert |
|---|---|
| Typisches Objekt | Einfamilien- oder Doppelhaus |
| Fläche je Objekt | 40 m Wandlänge × 8 m Arbeitshöhe ≈ 320 m² |
| Eigener Bestand | ca. 350 m² schmales Rahmengerüst |
| Einsätze pro Saison | 8 bis 12 |
| Gewicht des Bestands | ca. 3,5 bis 7 t |
Bei acht bis zwölf Einsätzen im Jahr verteilt sich der Kaufpreis auf viele Baustellen. Dazu kommt, dass gebrauchtes Gerüst seinen Wert vergleichsweise gut hält: Wird es gepflegt, lässt es sich nach Jahren wieder verkaufen. Ob sich das für Ihren Betrieb rechnet, hängt von Ihren Stundensätzen, der Fahrstrecke zu den Baustellen und den Preisen ab, die Sie sonst für Fremdgerüst zahlen. Diese Zahlen kennen nur Sie – die Tabelle zeigt nur, welche Größen in die Rechnung gehören.
Welches Gerüst passt zu welchem Gewerk?
- Maler und Putzer: schmales Rahmengerüst (0,65–0,73 m), viele Lagen mit Böden, eher geringe Lasten. Ein gängiges System erleichtert das spätere Erweitern.
- Dachdecker: Traufgerüst mit Dachfang, Schutzwand und Konsolen; dazu Teile für Giebel und Gauben. Material wird oft auf dem Gerüst gelagert, daher auf die Belastbarkeit der Beläge achten.
- Zimmerer: wechselnde Aufgaben vom Dachstuhl bis zum Holzrahmenbau. Hier ist ein Modulgerüst wegen der freien Höhen oft praktischer; für Fassadenverkleidungen reicht ein breites Rahmengerüst.
Für den Einstieg bewähren sich verbreitete Systeme, weil Nachkauf und Wiederverkauf leichter sind. Gebrauchte Pakete führen wir unter anderem in Layher Blitz und Layher Allround. Mehr zu den Gerüstarten finden Sie unter Malergerüst und Dachdeckergerüst.
Lager und Logistik
Ein Gerüst mit 350 m² füllt eine Garage nicht, aber einen Teil der Halle. Planen Sie Stellfläche für Rahmenpaletten, Bodenstapel und Gitterboxen, dazu Platz zum Rangieren mit Stapler oder Hubwagen. Ein überdachter Lagerplatz verlängert die Lebensdauer von Holz- und Kombibelägen deutlich.
Für den Transport braucht es ein Fahrzeug, das mehrere Tonnen laden kann – in der Praxis einen Lkw mit Ladekran oder Pritsche oder einen Transporter mit großem Anhänger für kleinere Einsätze. Wer das Gerüst in Etappen zur Baustelle bringt, verliert Zeit. Hilfreich ist eine feste Ladeliste je Objektgröße, damit alles in einer Tour mitfährt. Hinweise zum Gespann gibt der Beitrag Gerüst abholen mit Anhänger, zum Gewicht der Teile der Beitrag Gewichte von Gerüstteilen.
Organisation und Pflichten im Betrieb
Mit dem eigenen Gerüst übernimmt der Betrieb Verantwortung, die sonst beim Gerüstbauer liegt. Dazu gehören grob:
- Gefährdungsbeurteilung für Auf-, Um- und Abbau sowie für die Nutzung.
- Unterweisung der Beschäftigten anhand der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers.
- Aufsicht durch eine befähigte Person beim Auf- und Abbau, die das Gerüst vor der Freigabe prüft.
- Dokumentation der Prüfung und Kennzeichnung des Gerüsts an der Baustelle.
- Wartung: beschädigte Teile aussortieren, Material nach jedem Einsatz durchsehen.
Die Grundlagen stehen in der Betriebssicherheitsverordnung und in der TRBS 2121; praktische Hilfen bieten die DGUV-Informationen. Welche Schulung Ihre Mitarbeiter genau brauchen, klären Sie mit Ihrer Berufsgenossenschaft. Wichtig ist außerdem die Abgrenzung: Ein Gerüst für die eigenen Arbeiten zu stellen, ist etwas anderes, als Gerüste für andere Gewerke oder Auftraggeber zu errichten. Gerüstbau für Dritte ist ein zulassungspflichtiges Handwerk; im Zweifel hilft die Handwerkskammer.
Klein anfangen und wachsen
Viele Betriebe starten mit einer Fläche für ihr typisches Objekt und ergänzen später. Das funktioniert dann gut, wenn das System verbreitet ist und Einzelteile gebraucht nachgekauft werden können. Wir halten gebrauchte Gerüstteile nach System sortiert vor, sodass Sie fehlende Böden, Geländer oder Konsolen gezielt nachbestellen können. Den Bedarf für typische Objektgrößen rechnet der Gerüstkalkulator.
Versicherung und Kennzeichnung
Prüfen Sie mit Ihrem Versicherer, ob Betriebshaftpflicht und Inhaltsversicherung das eigene Gerüst auf fremden Baustellen und im Lager abdecken. Kennzeichnen Sie Ihr Material, etwa mit Farbmarkierung oder Plaketten – das hilft bei gemeinsamen Baustellen und im Fall eines Diebstahls.
Typische Fehler beim Einstieg
- Zu knapp gekauft: Das Gerüst reicht für das Standardobjekt, aber nicht für die erste größere Baustelle. Planen Sie eine Reserve von einigen Feldern ein.
- Zu viele Systeme: Wer günstige Posten verschiedener Hersteller zusammenkauft, hat später getrennte Bestände, die nicht gemeinsam verbaut werden dürfen. Bleiben Sie bei einem Rahmensystem, ergänzt allenfalls durch ein Modulsystem.
- Zubehör vergessen: Anker, Dübel, Fußplatten, Stirngeländer und Bordbretter fehlen bei vielen Erstkäufen. Mehr dazu im Beitrag Zubehör, das oft fehlt.
- Kein Lagerkonzept: Ohne feste Plätze für Rahmen, Böden und Kleinteile wird das Beladen jedes Mal zur Suche.
- Keine Rücklaufkontrolle: Nach dem Abbau wird nicht gezählt, Teile bleiben auf der Baustelle oder werden beschädigt eingelagert.
Gebraucht oder neu für den Betrieb?
Viele Betriebe entscheiden sich bewusst für gebrauchtes Material. Die Anschaffung ist geringer, und das Gerüst sieht nach wenigen Baustellen ohnehin gebraucht aus. Wichtig ist, dass die Teile in einwandfreiem Zustand sind und Sie die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Systems vorliegen haben. Bei uns ist die Ware nach System sortiert, und jedes Teil wird vor der Verladung noch einmal angesehen. Wer sich vorher selbst ein Bild machen möchte, kann im Lager oder per Video besichtigen – Vorbereitung im Beitrag Besichtigung im Lager.
Beispiel: Dachdeckerbetrieb mit Traufgerüst
Ein Dachdeckerbetrieb arbeitet überwiegend an Einfamilienhäusern mit 10 bis 12 m Trauflänge je Seite. Für zwei Traufseiten und die Giebelecken kommen grob 28 m Länge zusammen. Bei 6 m Arbeitshöhe entspricht das rund 170 m² Gerüst, dazu Dachfangstiele, Schutzgitter und Konsolen für jede Traufseite. Der Betrieb kann damit zwei Baustellen nacheinander bedienen oder mit einem zweiten, ähnlich großen Bestand zwei Baustellen gleichzeitig.
Prüfung nach Lagerung
Gerüst, das über den Winter oder länger gelagert wurde, wird vor dem nächsten Einsatz durchgesehen. Holz kann gequollen oder gerissen sein, Kleinteile sind angerostet, Spindeln laufen schwer. Eine kurze Sichtung im Lager spart Ärger auf der Baustelle.
Und wenn sich das Gerüst nicht mehr rechnet?
Ändert sich das Auftragsprofil, kann ein gepflegtes Gerüst wieder in den Markt gehen. Gängige Systeme nehmen wir im Ankauf: Schicken Sie uns ungefähre Stückzahlen und ein paar Bilder, dann erhalten Sie ein Angebot. Mehr dazu unter Gerüst verkaufen und im Beitrag Wiederverkauf nach dem Projekt.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Einsätzen lohnt sich ein eigenes Gerüst?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Je öfter das Gerüst im Jahr steht, desto eher rechnet sich der Kauf. Vergleichen Sie Kaufpreis, Lager, Transport und Arbeitszeit mit dem, was Sie bisher für Fremdgerüst zahlen.
Darf ein Malerbetrieb sein eigenes Gerüst aufbauen?
Für die eigenen Arbeiten ja, sofern die Beschäftigten unterwiesen sind, eine befähigte Person beaufsichtigt und das Gerüst vor der Nutzung geprüft wird. Gerüste für andere Gewerke oder Auftraggeber zu stellen, ist dagegen Gerüstbau und damit ein zulassungspflichtiges Handwerk. Details klären Sie mit Berufsgenossenschaft und Handwerkskammer.
Welches System eignet sich für den Einstieg?
Ein verbreitetes Rahmensystem, weil Einzelteile gebraucht leicht nachzukaufen sind und das Gerüst später gut verkäuflich bleibt. Dachdecker und Zimmerer ergänzen häufig ein Modulgerüst für Sonderstellen.
Wie viel Lagerfläche braucht ein Gerüst von 350 m²?
Das hängt von der Stapelweise ab. Rechnen Sie mit Platz für mehrere Rahmenpaletten, Bodenstapel und Gitterboxen sowie mit Rangierfläche für Stapler oder Hubwagen. Überdacht hält das Material länger.
Welche Unterlagen brauche ich für das eigene Gerüst?
Die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers, eine Gefährdungsbeurteilung, Nachweise über Unterweisungen und die Prüfprotokolle nach jedem Aufbau. Fragen Sie beim Kauf nach der passenden Anleitung für das System.
Kann ich das Gerüst später wieder verkaufen?
Ja, gepflegtes Gerüst gängiger Systeme ist gefragt. Für ein Ankaufsangebot genügen grobe Mengen und Fotos. Wir holen ab und rechnen nach Verladung ab.
Passendes Gerüst finden
Komplette Pakete mit Stückliste stehen unter gebrauchte Gerüste, Einzelteile unter Gerüstteile. Ihre eigene Fassade rechnet der Gerüstkalkulator Wand für Wand.