Systeme & Teile · 6 Min. Lesezeit

Zubehör, das beim Gebrauchtkauf oft vergessen wird

Rahmen und Böden sind schnell gezählt – aber wer denkt an Dübel, Unterlagen, Stirnseiten und Leiter? Eine Liste der üblichen Lücken.

Beim Kauf von gebrauchtem Gerüst konzentrieren sich die meisten auf Rahmen, Böden und Geländer. Auf der Baustelle fehlen dann oft die kleinen und scheinbar nebensächlichen Teile: Gerüsthalter in der richtigen Länge, Dübel und Ringösen für die Wand, Unterlagen für die Spindeln, Stirngeländer und Stirnbordbretter, Durchstiege und Leitern, genug Diagonalen und ein paar Kupplungen. Ohne diese Teile darf das Gerüst nicht genutzt werden – selbst wenn alles Tragende vorhanden ist. Diese Übersicht hilft, die typischen Lücken vor dem Kauf zu schließen.

Verankerung: Gerüsthalter, Dübel, Ringösen

Fassadengerüste sind auf die Wand angewiesen: In regelmäßigen Abständen werden sie dort festgemacht. Dazu gehören drei Teile, die gern getrennt gedacht werden, aber nur zusammen funktionieren.

Gerüsthalter in der passenden Länge

Der Gerüsthalter verbindet den Rahmen mit der Wand. Seine Länge richtet sich nach dem Abstand zwischen Gerüst und Wand. Wird später gedämmt, wächst dieser Abstand um die Dämmstärke, und die vorhandenen kurzen Halter reichen nicht mehr. Wer Wärmedämmverbundsysteme anbringen will, braucht deshalb häufig längere Halter oder eine Kombination aus Halter und Rohr mit Kupplungen.

Dübel und Ringösen

Dübel und Ringösen werden beim Gebrauchtkauf am häufigsten vergessen, weil sie selten in Paketen gehandelt werden und in jedem Projekt neu gesetzt werden. Der Dübel muss zum Untergrund passen – Beton, Vollziegel, Lochziegel oder Porenbeton verlangen unterschiedliche Lösungen. Die Ringöse muss so lang sein, dass sie Putz und gegebenenfalls Dämmung überbrückt. Wie die Tragfähigkeit der Verankerung nachgewiesen wird, etwa durch Probebelastungen, regelt die Anleitung des Gerüstherstellers.

Kupplungen für die Ankerbefestigung

Je nach Ankerart braucht man Normal- oder Halbkupplungen, um den Halter am Rahmenstiel zu befestigen. V-förmige Verankerungen kommen mit einem zweiten Halter und einer weiteren Kupplung aus. Rechnen Sie einige Kupplungen mehr ein, als Sie zunächst zählen.

Standsicherheit am Fuß

Fußspindeln bringen das Gerüst ins Lot und gleichen Unebenheiten aus. Unter jede Spindel gehört eine lastverteilende Unterlage – auf Pflaster eine stabile Platte, auf Erdreich oder Rasen eine Bohle, die über mehrere Spindeln reicht. Mauersteine, Pflastersteine oder Paletten sind dafür nicht geeignet. Unterlagen gehören fast nie zum Lieferumfang eines Gebrauchtpakets und müssen gesondert besorgt werden. Bei stark abfallendem Gelände reichen normale Spindeln manchmal nicht aus; dann braucht es längere Spindeln oder kürzere Ausgleichsrahmen.

Seitenschutz an den Stirnseiten

An den Enden des Gerüsts muss der Belag genauso gesichert sein wie entlang der Fassade. Dazu dienen Stirngeländer, häufig als Doppelgeländer ausgeführt, und Stirnbordbretter. Beides fehlt in Basispaketen meist oder ist nur teilweise enthalten. Die Halterungen für Stirnbordbretter unterscheiden sich je nach System; achten Sie darauf, dass sie zur Rahmenbreite passen.

Ein weiterer Punkt ist der innere Seitenschutz. Klafft zwischen Belagkante und Fassade eine Lücke von mehr als dem Zulässigen – meist sind das 30 cm –, braucht es an der Innenseite ebenfalls Geländer, oder der Spalt wird mit Innenkonsolen und zusätzlichem Belag geschlossen. Wer mit gedämmter Fassade oder vorspringenden Bauteilen rechnet, sollte Konsolen gleich einplanen.

Aufstieg: Durchstiege und Leitern

Jede Belaglage muss sicher erreichbar sein. Beim Fassadengerüst geschieht das meist über Durchstiegsböden mit eingebauter Leiter, die versetzt übereinander angeordnet werden. Für den Einstieg von unten braucht es oft eine eigene Leiter. Wo viel Material hoch- und runtergetragen wird oder das Gerüst groß ist, bietet ein Treppenturm einen bequemeren Zugang. Durchstiege sind in Basispaketen nicht enthalten. Wer ein solches Paket kauft, ergänzt sie – mindestens einen je Lage und Gerüstabschnitt.

Aussteifung: genug Diagonalen

Diagonalen werden oft knapp kalkuliert, weil sie im Vergleich zu Rahmen und Böden nur in kleiner Zahl vorkommen. Die Anleitung legt fest, in welchem Abstand sie einzubauen sind, meist in regelmäßigen Feldabständen über die ganze Höhe. Fehlen Diagonalen, ist das Gerüst in Längsrichtung nicht ausreichend ausgesteift. Achten Sie außerdem darauf, dass die Diagonalen zur Feldlänge passen.

Weiteres Zubehör, das man vermisst

  • Bordbretter für jedes Feld: In vielen Paketen sind sie nicht für alle Felder dabei. Für Arbeitslagen wird aber durchgehend ein Bordbrett benötigt.
  • Kurze Böden und Passfelder: Für Ecken und Hindernisse braucht man Felder unter der Standardlänge.
  • Rohre und Kupplungen: Für Eckausbildungen, Überbrückungen und Sonderverankerungen nach Anleitung.
  • Netze oder Planen samt Befestigung: Bei Bekleidung ändert sich das Ankerraster, es werden mehr Halter nötig.
  • Kennzeichnung: Ein Gerüst muss nach der Prüfung als nutzbar oder gesperrt gekennzeichnet werden; ein entsprechendes Schild gehört dazu.
  • Anleitung: Die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Systems muss auf der Baustelle verfügbar sein.
  • Werkzeug: Gerüsthammer, Ratsche oder Ringschlüssel für Kupplungen, Wasserwaage und eine Bohrmaschine für die Dübel.

Das Gerüst einmal im Kopf aufbauen

Die zuverlässigste Methode, Lücken zu finden, ist ein gedanklicher Aufbau von unten nach oben. Beginnen Sie am Boden: Worauf stehen die Spindeln, und wie gleichen Sie Gefälle aus? Dann die erste Lage: Wie kommen Sie hinauf, wo sitzt der erste Anker, welche Diagonalen werden schon hier gebraucht? Weiter zur ersten Belaglage: Ist der Seitenschutz vorn, an den Enden und gegebenenfalls innen vollständig? Wiederholen Sie das für jede Lage bis zum obersten Geländer.

Wer so vorgeht, stößt fast zwangsläufig auf die Teile, die in keiner Paketbeschreibung stehen: die Leiter für den Einstieg, das Stirnbordbrett der obersten Lage, die zwei zusätzlichen Kupplungen für den Anker am Fallrohr. Notieren Sie diese Positionen und gleichen Sie sie mit der Stückliste ab. Besonders bei umlaufenden Gerüsten und an Gebäuden mit Anbauten kommen dabei schnell zusätzliche Eckteile, Stirnseiten und Anker zusammen, die in einer reinen Flächenrechnung untergehen. Bei Unsicherheit hilft auch die Anleitung des Systems, die für jeden Bauzustand die erforderlichen Teile zeigt.

Übersicht: woran man den Bedarf erkennt

ZubehörWofürBedarf ergibt sich aus
GerüsthalterVerbindung zur WandAnkerraster der Anleitung, Höhe, Bekleidung
Dübel, RingösenBefestigung im MauerwerkZahl der Anker, Untergrund, Dämmstärke
UnterlagenLastverteilung unter SpindelnZahl der Spindeln, Untergrund
Stirngeländer, StirnbordbretterSeitenschutz an den EndenZahl der Gerüstenden und Lagen
Durchstieg, LeiterZugang zu den LagenZahl der Lagen und Abschnitte
KonsolenSpalt zur Wand schließenWandabstand, Dämmung, Vorsprünge
Kupplungen, RohreAnker, Ecken, SonderlösungenGebäudeform, Ankerart

Basispaket oder komplett?

Unsere Gerüstpakete gibt es in zwei Stufen. Im Basispaket stecken alle tragenden Teile samt Belag, Seitenschutz, Aussteifung, Spindeln und Verankerung; Bordbretter sind nicht für alle Felder dabei, und Durchstiege wie Stirnbordbretter gehören nicht zum Umfang. Das komplette Paket ist nach der Herstelleranleitung zusammengestellt und bringt diese Positionen mit. Dübel, Ringösen und Unterlagen sind projektabhängig und gehören in der Regel nicht dazu.

Fehlende Teile ergänzen Sie über Gerüstteile, zum Beispiel Gerüstanker, Durchstiegstafeln oder Bordbretter. Wie Sie die Positionen eines Pakets lesen, erklärt der Beitrag Stückliste lesen.

Häufige Fragen

Sind Dübel und Ringösen in Gerüstpaketen enthalten?

In der Regel nicht, weil sie vom Untergrund und von der Dämmstärke abhängen und bei jedem Projekt neu gesetzt werden. Planen Sie sie getrennt ein und wählen Sie sie passend zur Wand.

Was fehlt in einem Basispaket?

Es fehlen Durchstiege und Stirnbordbretter, und Bordbretter reichen nicht für jedes Feld. Alles Tragende, Belag, Seitenschutz entlang der Fassade, Diagonalen, Spindeln und Anker sind dagegen an Bord.

Warum brauche ich Unterlagen unter den Spindeln?

Sie verteilen die Last auf den Untergrund, damit das Gerüst nicht einsinkt oder kippt. Auf weichem Boden sind durchgehende Bohlen nötig, Steine oder Paletten sind ungeeignet.

Wann brauche ich einen inneren Seitenschutz?

Sobald die Lücke zwischen Belag und Fassade das zulässige Maß überschreitet, meist 30 cm. Alternativ lässt sich der Spalt mit Innenkonsolen und zusätzlichem Belag schließen.

Reichen meine Gerüsthalter auch nach einer Dämmung?

Oft nicht, weil der Wandabstand um die Dämmstärke wächst. Dann sind längere Halter oder eine Lösung mit Rohr und Kupplungen nach Anleitung nötig.

Kann ich fehlendes Zubehör einzeln nachkaufen?

Ja, soweit am Lager, etwa Anker, Durchstiege, Bordbretter, Stirngeländer und Kupplungen. Am besten schicken Sie uns Ihre Liste mit System und Maßen.

Passendes Gerüst finden

Komplette Pakete mit Stückliste stehen unter gebrauchte Gerüste, Einzelteile unter Gerüstteile. Ihre eigene Fassade rechnet der Gerüstkalkulator Wand für Wand.

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