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Restposten, Insolvenzmasse und Lagerräumung: Gerüstposten richtig bewerten

Ein ganzer Lagerbestand zum Pauschalpreis klingt verlockend. Mit welchen Fragen Sie herausfinden, was der Posten wirklich wert ist.

Ein Restposten, eine Insolvenzmasse oder eine Lagerräumung ist dann ein guter Kauf, wenn die Zusammensetzung zu Ihrem Bedarf passt, der Zustand stimmt und die Kosten für Laden, Transport und Verwertung des Überhangs eingerechnet sind. Der Pauschalpreis allein sagt wenig. Bewerten Sie solche Posten wie ein Händler: Hauptteile zählen, Stichproben ziehen, Gewicht plausibilisieren, Logistik planen und überlegen, was mit nicht benötigten Teilen geschieht.

Woher solche Posten kommen

Große Gerüstbestände kommen aus unterschiedlichen Gründen auf den Markt. Ein Gerüstbaubetrieb stellt auf ein anderes System um, ein Bauunternehmen gibt den eigenen Gerüstbau auf, ein größerer Betrieb verkleinert seinen Gerätepark, oder ein Betrieb muss Insolvenz anmelden. Je nach Anlass unterscheiden sich Zustand, Ordnung und Verkaufsbedingungen erheblich.

  • Systemwechsel: oft gepflegtes, vollständiges Material, das nur nicht mehr gebraucht wird.
  • Betriebsaufgabe: gemischter Zustand, häufig über Jahre gewachsene Bestände.
  • Insolvenz: Verkauf durch den Verwalter, meist schnell, oft ohne Gewähr.
  • Lagerräumung beim Händler: sortierte Ware, die gebündelt abgegeben wird.

Der Anlass beeinflusst auch das Tempo. Bei einem Systemwechsel bleibt meist Zeit für Gespräche und Besichtigungen, bei einer Insolvenz oder einer Hallenkündigung oft nur wenige Tage. Wer in solchen Fällen zum Zug kommen will, sollte Bedarf, Budget und Logistik schon vorher grob geklärt haben – sonst ist der Posten weg, bevor die Rechnung fertig ist.

Besonderheiten bei Insolvenzware

Bei einer Insolvenz verkauft in der Regel der Insolvenzverwalter oder ein von ihm beauftragtes Verwertungsunternehmen. Sein Auftrag ist, die Masse zügig zu verwerten. Für Käufer bedeutet das häufig: Verkauf wie besichtigt, enge Zeitfenster für Besichtigung und Abholung, Zahlung vor Abholung und selbst organisiertes Verladen. Ob und in welchem Umfang eine Gewährleistung besteht, regelt der jeweilige Vertrag. Lassen Sie sich bei größeren Summen vorher rechtlich beraten.

Ein weiterer Punkt: Gerüst auf Baustellen kann zum Zeitpunkt der Insolvenz noch verbaut sein. Klären Sie, ob der angebotene Bestand vollständig im Lager liegt oder ob Teile erst noch zurückgeholt werden müssen.

Fünf Schritte zur Bewertung

1. Zusammensetzung klären

Fragen Sie nach einer Bestandsliste und gleichen Sie sie mit Ihrem Bedarf ab. Wichtig ist das Verhältnis der Teile zueinander. Ein Posten mit vielen Rahmen, aber wenigen Belägen ergibt kaum nutzbare Fläche. Typisch für gewachsene Bestände sind Überhänge bei Rahmen und Rohren und Lücken bei Geländern, Diagonalen und Bordbrettern. Wie viele Teile für eine bestimmte Fläche nötig sind, zeigt der Ratgeber Teilebedarf je 100 m².

2. Systemreinheit prüfen

Liegen mehrere Systeme durcheinander, müssen sie getrennt werden, bevor daraus ein Gerüst entsteht. Das kostet Zeit. Prüfen Sie die Prägungen an einer Auswahl von Teilen, wie im Beitrag Prägung und Baujahr beschrieben.

3. Zustand per Stichprobe

Ziehen Sie Teile aus verschiedenen Stapeln, nicht nur von oben und vorn. Prüfen Sie Geradheit, Schweißnähte, Klauen und Keile. Schätzen Sie aus der Stichprobe, welcher Anteil Ausschuss ist, und ziehen Sie diesen Anteil vom Wert ab.

4. Gewicht plausibilisieren

Wird ein Posten nach Gewicht angeboten, hilft eine Überschlagsrechnung. Pro Quadratmeter Fassadengerüst kommen, abhängig von System und Belag, ungefähr zehn bis zwanzig Kilogramm zusammen. Passt das genannte Gewicht nicht zur angegebenen Fläche oder Stückzahl, sollten Sie nachfragen. Ein hoher Anteil schwerer Teile wie Rohre und Stahlböden verschiebt die Rechnung ebenso wie viel Aluminium.

5. Logistik und Überhang einrechnen

Große Posten brauchen Lkw, Gabelstapler, Personal und Lagerfläche. Rechnen Sie aus, wie viele Fahrten nötig sind und wo das Material danach liegt. Was Sie nicht brauchen, sollte einen Abnehmer haben – sonst wird der günstige Posten am Ende teuer.

Das knappste Teil bestimmt die Fläche

Ein Grundsatz, den wir beim Ankauf jeden Tag anwenden: Aus einem Posten lässt sich nur so viel Gerüst bauen, wie das knappste notwendige Teil hergibt. Sind Rahmen für eine große Fassade da, aber Geländer nur für die Hälfte, dann ist es auch nur ein halbes Gerüst. Der Rest der Rahmen ist zunächst Lagerbestand, bis die fehlenden Teile nachgekauft sind.

Gehen Sie deshalb bei der Bewertung so vor:

  1. Ermitteln Sie für jede Hauptposition, für wie viel Fläche sie rechnerisch reicht.
  2. Nehmen Sie den kleinsten dieser Werte als nutzbare Fläche.
  3. Bewerten Sie den Überhang der anderen Positionen getrennt – als Reserve, als Ware für den Wiederverkauf oder als Metallwert.
  4. Rechnen Sie aus, was der Nachkauf der Engpassteile kostet und ob er im selben System möglich ist.

Diese Rechnung ernüchtert manchmal, schützt aber vor der Annahme, ein großer Haufen Stahl sei automatisch ein großes Gerüst.

Vertrag und Abwicklung

Bei großen Posten werden Details wichtig, die bei einem kleinen Paket kaum auffallen. Klären Sie schriftlich, bis wann abgeholt sein muss, wer das Gelände öffnet, ob Stapler und Fahrer gestellt werden, wann das Risiko für die Ware auf Sie übergeht und was geschieht, wenn bei der Verladung weniger Teile vorhanden sind als angegeben. Bei Insolvenzware gibt der Verwalter diese Bedingungen meist vor; bei Händlern sind sie in der Auftragsbestätigung geregelt.

Bewertungshilfe in Tabellenform

FrageGute AntwortWarnsignal
Wie viele Systeme sind im Posten?eines oder klar getrennteunklar, durcheinander gestapelt
Gibt es eine aktuelle Bestandsliste?ja, mit Positionen und Mengennur Gesamtgewicht oder Schätzung
Wo liegt das Material?vollständig an einem Ortteilweise noch auf Baustellen
Darf vorher besichtigt werden?ja, mit Zeit für Stichprobennur Fotos, kurze Frist
Wer verlädt?Stapler und Personal vor OrtSelbstverladung ohne Gerät
Was ist mit Überhang?Abnehmer oder eigener Bedarfkeine Idee

Großposten beim Händler

Auch Händler geben Bestände am Stück ab, wenn sie größere Mengen eines Systems übernommen haben. Der Vorteil gegenüber einer Insolvenz: Das Material liegt geordnet im Lager, kann nach Absprache besichtigt werden, und Verladung sowie Spedition sind organisiert. Bei uns sind das zum Beispiel Modulgerüste in Plettac Contur und Alfix, Traggerüst Layher TG 60 sowie große Mengen Stahlböden und U-Doppelriegel. Aktuelle Großposten stehen unter Großposten.

Wer einen solchen Posten kauft, kann den Teil, den er nicht braucht, später wieder abgeben. Wir kaufen gebrauchtes Gerüst an, auch in größeren Mengen; mehr unter Gerüst verkaufen.

Unterlagen, die Sie anfordern sollten

  • eine Bestandsliste mit Positionen, Maßen und Stückzahlen,
  • Fotos der Lagerplätze und von Nahaufnahmen typischer Teile,
  • Angaben zum Hersteller und zum System jeder Position,
  • bei Insolvenz: Kontaktdaten des Verwalters und die Verkaufsbedingungen,
  • Angaben zur Verladung: Zufahrt, Ladezeiten, vorhandenes Gerät.

Wann man besser die Finger davon lässt

Ein Posten ist zu riskant, wenn Sie das System nicht sicher bestimmen können, keine Besichtigung möglich ist, das Material nur teilweise vorhanden ist oder Sie keinen Platz und keine Abnehmer für den Überhang haben. Dann ist ein passend zusammengestelltes Gebrauchtpaket oft wirtschaftlicher, auch wenn der Preis je Einheit höher liegt.

Häufige Fragen

Gibt es bei Insolvenzware eine Gewährleistung?

Das regelt der jeweilige Kaufvertrag. Häufig wird Insolvenzware wie besichtigt und mit eingeschränkter Gewähr verkauft. Lassen Sie sich bei größeren Käufen vorher rechtlich beraten.

Wie prüfe ich, ob ein Gewichtsangebot plausibel ist?

Setzen Sie für jeden Quadratmeter Fassadengerüst zehn bis zwanzig Kilo an und halten Sie das Ergebnis gegen die genannte Fläche oder die Stückzahlen. Liegt das Angebot weit daneben, fragen Sie nach der Zusammensetzung.

Was mache ich mit Teilen, die ich nicht brauche?

Planen Sie den Überhang vor dem Kauf ein. Gängiges Systemmaterial lässt sich an Händler verkaufen; wir kaufen gebrauchtes Gerüst an und rechnen nach der Verladung ab.

Welche Teile fehlen in gewachsenen Beständen am häufigsten?

Erfahrungsgemäß Geländer, Diagonalen, Bordbretter, Anker und passende Beläge. Rahmen und Rohre sind dagegen oft im Überfluss vorhanden.

Kann ich Großposten bei cetrac vorher ansehen?

Ja. Vereinbaren Sie einen Termin am Bösdorfer Ring oder lassen Sie sich den Posten live per Videoschalte zeigen. Zustand, Stapelung und Menge sind dann vor der Entscheidung klar.

Ist ein Restposten immer günstiger als ein Paket?

Je Einheit oft ja. Rechnet man Laden, Transport, Lager, Ausschuss und Überhang dazu, kann ein passend zusammengestelltes Paket für ein einzelnes Projekt wirtschaftlicher sein.

Passendes Gerüst finden

Komplette Pakete mit Stückliste stehen unter gebrauchte Gerüste, Einzelteile unter Gerüstteile. Ihre eigene Fassade rechnet der Gerüstkalkulator Wand für Wand.

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