Gebrauchte Holzbohlen und Gerüstbretter prüfen: Sortierklasse, zulässige Stützweite und wann sie ausgedient haben
Holz altert anders als Stahl. Woran Sie erkennen, ob gebrauchte Gerüstbohlen noch tragen, wie weit sie spannen dürfen und welche Schäden das Aus bedeuten.
Gebrauchte Holzbohlen dürfen wieder als Gerüstbelag dienen, wenn vier Dinge stimmen: Das Holz erreicht mindestens die Sortierklasse S 10 nach DIN 4074-1 und die Festigkeitsklasse C24 nach DIN EN 338, die Bohle ist mindestens 3 cm dick, ihre Stützweite passt zu Dicke und Lastklasse, und das Holz ist gesund – ohne aufgerissene Enden, ohne Fäulnis, ohne bleibende Durchbiegung. Zur Orientierung: Eine 24 cm breite und 4,5 cm dicke Bohle darf im Arbeitsgerüst nach der Tabelle der DGUV bis 2,50 m frei spannen, wenn Lastklasse 1 bis 3 genügt, in Lastklasse 4 nur bis 2,25 m. Eine Bohle mit 3 cm Dicke kommt nur auf 1,25 m. Dieser Beitrag behandelt ausschließlich Holz; für Teile aus Stahl und Aluminium gelten eigene Prüfpunkte, die andere Beiträge dieser Seite beschreiben.
Woher gebrauchte Holzbohlen kommen
In Gebrauchtbeständen begegnen Ihnen Holzbohlen vor allem in drei Situationen: als Belag von Stahlrohr-Kupplungsgerüsten, die nach DIN 4420-3 als Regelausführung gelten; als Ergänzung zu Systemgerüsten an Stellen, an denen kein passender Systembelag liegt; und als Restmenge aus Betriebsauflösungen, die oft jahrelang im Freien lag. Bei Holz wiegt die Vorgeschichte schwerer als bei Metall, weil Nässe und Sonne an jeder Bohle unterschiedlich gearbeitet haben. Fragen Sie deshalb, wo das Holz gelagert war: unter Dach, auf Unterleghölzern oder direkt auf dem Erdreich.
Holzbeläge, die fest zu einem Gerüstsystem gehören, etwa Rahmentafeln mit Holz- oder Sperrholzfüllung, beurteilen Sie nach der Aufbau- und Verwendungsanleitung des jeweiligen Systems. Hier geht es um lose Bohlen und Bretter.
Sortierklasse S 10 und Festigkeitsklasse C24
Die DGUV Information 201-011 fordert für Gerüstbauteile aus Holz mindestens die Sortierklasse S 10 nach DIN 4074-1 und die Festigkeitsklasse C24 nach DIN EN 338. Die Sortierklasse beschreibt die Einstufung des Holzes nach erkennbaren Wuchsmerkmalen, die Festigkeitsklasse die Kennwerte, mit denen gerechnet wird. Daraus folgt für Käufer: Bauholz ohne bekannte Herkunft, Schalbretter oder Dielen aus dem Innenausbau sind keine Gerüstbohlen, selbst wenn sie gleich dick aussehen.
Bei gebrauchtem Holz lässt sich die ursprüngliche Einstufung oft nicht mehr belegen. Fragen Sie nach Lieferscheinen, Kennzeichnungen oder danach, ob die Bohlen aus dem Bestand eines Gerüstbaubetriebs stammen. Bleibt offen, ob eine Bohle die Anforderungen erfüllt, hat sie im Gerüstbelag nichts verloren. Als Unterlage beim Stapeln oder als Abdeckung am Boden kann sie trotzdem gute Dienste leisten.
Dicke und Stützweite
Bohlen müssen nach DGUV mindestens 3,0 cm dick sein. Wie weit eine Bohle frei spannen darf, hängt von ihrer Dicke, ihrer Breite und der geforderten Lastklasse ab. Die DGUV gibt dazu in Tabelle 4 Werte für Arbeitsgerüste nach DIN 4420-3 an. Drei davon zeigen die Größenordnung:
| Bohle | Lastklasse | größte Stützweite |
|---|---|---|
| 24 cm breit, 4,5 cm dick | LK 1 bis LK 3 | 2,50 m |
| 24 cm breit, 4,5 cm dick | LK 4 | 2,25 m |
| 3,0 cm dick | laut Tabelle | 1,25 m |
Für andere Maße lesen Sie die Werte direkt in der Tabelle der DGUV nach, statt zwischen zwei Zeilen zu schätzen.
Was das auf der Baustelle bedeutet
Angenommen, ein Feld ist 2,50 m lang. Mit 24 cm breiten, 4,5 cm dicken Bohlen ist das für Maler- und Putzarbeiten abgedeckt, für die Lastklasse 3 verlangt wird. Sollen dieselben Bohlen in Lastklasse 4 tragen, etwa für Mauerarbeiten, reicht die Spannweite nicht mehr: 2,50 m liegen über den zulässigen 2,25 m, ein Zwischenauflager wird nötig. Wer im selben Feld 3 cm dicke Bretter verlegen will, braucht spätestens alle 1,25 m eine Unterstützung, also mindestens eine in Feldmitte.
Andere Länder setzen andere Maßstäbe. Die österreichische Bauarbeiterschutzverordnung verlangt für Holzpfosten mindestens 20 cm Breite und 5 cm Dicke sowie einen Auflagerabstand von höchstens 3,00 m. Die französische R 408 schreibt für Holzplanken mindestens 40 mm Dicke vor und verlangt ab 1,50 m Stützweite zwingend ein Zwischenauflager. Für ein Gerüst in Deutschland gelten die deutschen Werte; die Vergleichszahlen machen aber deutlich, dass dünne Bretter über weite Felder nirgends als ausreichend gelten.
Dickenverlust: gemessen statt angenommen
Gebrauchte Bohlen verlieren Substanz – durch Schuhe und Schubkarren, durch Abschleifen von Farbe und Mörtel, durch zu harten Wasserstrahl und durch Verwitterung. Rechnen Sie deshalb mit der Dicke, die Sie heute messen, und nicht mit der, die auf dem alten Lieferschein steht. Eine Bohle, die einmal 4,5 cm hatte und heute an der dünnsten Stelle 4,1 cm misst, ordnen Sie im Zweifel in eine dünnere Tabellenzeile ein oder sortieren sie aus.
Die österreichische Verordnung nennt dafür eine feste Grenze: höchstens 5 % Dickenverlust. Bei 5 cm Ausgangsdicke sind das 2,5 mm. Als Maßstab für die Besichtigung ist dieser Wert auch für deutsche Käufer hilfreich.
So gehen Sie vor: Messen Sie mit dem Messschieber an beiden Längskanten jeweils nahe den Enden und in der Mitte, also an sechs Punkten je Bohle. Mulden in der Lauffläche erkennen Sie, wenn Sie eine Richtlatte quer auflegen. Dünn werden Bohlen oft dort, wo sie jahrelang auf Riegeln lagen oder wo Schubkarren gefahren sind. Notieren Sie stets den kleinsten Wert.
Schäden, bei denen eine Bohle ausgedient hat
Aufgerissene Enden
Die DGUV schreibt ausdrücklich vor, dass Holzbohlen an den Enden nicht aufgerissen sein dürfen. Die Enden liegen auf den Auflagern, werden beim Abladen gestaucht und saugen über das Hirnholz Wasser. Ein Riss, der vom Stirnende in die Bohle hineinläuft, schwächt genau den Bereich, der die Last an den Riegel weitergibt. Solche Bohlen werden ausgesondert. Bleche, Nägel oder Schrauben machen sie nicht nachweisbar wieder tragfähig.
Fäulnis und weiche Stellen
Fäulnis gehört zu den Punkten, die die Suva vor der Freigabe eines Belags ausdrücklich prüfen lässt. Typisch sind dunkle, schwammige Zonen, häufig an der Unterseite und dort, wo die Bohle lange auf feuchtem Grund lag. Ein einfacher Test: Drücken Sie einen Schraubendreher mit mäßiger Kraft ins Holz. Dringt die Spitze leicht ein oder lösen sich weiche Fasern, ist das Holz geschädigt. Beim Anklopfen klingt gesundes, trockenes Holz hell, morsches eher dumpf.
Bleibende Durchbiegung
Legen Sie die Bohle ohne Last auf zwei Auflager im späteren Feldabstand und messen Sie in der Mitte gegen eine gespannte Schnur. Die französische R 408 sondert Beläge aus, deren bleibende Durchbiegung 1/100 der Stützweite übersteigt – bei 2,50 m also 25 mm. Für die Durchbiegung unter Personenlast nennt die Suva 25 mm als Grenze, die österreichische Verordnung lässt zwischen belasteten und unbelasteten Belagteilen ebenfalls höchstens 25 mm Unterschied zu. Holz, das nach einer Belastung nicht mehr in seine Form zurückfindet, deutet auf Überlastung oder innere Schäden hin.
Querrisse, Brüche und Bohrungen
Prüfen Sie außerdem auf Risse quer zur Faser, angebrochene Kanten, ausgefallene Äste im tragenden Querschnitt und nachträglich gebohrte Löcher. Manche Betriebe haben ihr Holz mit Kerben oder Bohrungen markiert. In Feldmitte schwächt so eine Stelle die Bohle stärker als nahe am Auflager; im Zweifel wird sie aussortiert.
Richtig verlegen
Systemfreie Bretter dürfen nach DGUV mit Fugen von maximal 2,5 cm nebeneinanderliegen und gelten dann als dicht; an Ständerunterbrechungen sind 8 cm erlaubt. Verlegen Sie in einem Feld keine Bohlen unterschiedlicher Dicke nebeneinander: Es entsteht ein Absatz, und die zulässige Spannweite richtet sich ohnehin nach der dünnsten Bohle. Die R 408 zieht für den Höhenunterschied benachbarter Beläge die Grenze bei 20 mm. Wie Bohlen gegen Verschieben gesichert aufliegen, regelt die Regelausführung beziehungsweise Aufbau- und Verwendungsanleitung, nach der das Gerüst errichtet wird.
Lagern, damit Holz lange hält
Gerüstteile sind so zu lagern, dass sie möglichst keinen Schaden nehmen. Für Holz heißt das vor allem: trocken und luftig. Stapeln Sie Bohlen auf Kanthölzern mit Abstand zum Boden, legen Sie zwischen die Lagen schmale Leisten, damit Luft durchziehen kann, und decken Sie den Stapel oben ab, ohne ihn seitlich dicht einzupacken. Nach einem nassen Einsatz lassen Sie die Bohlen erst abtrocknen, bevor Sie sie eng stapeln. So beugen Sie Fäulnis an den Enden vor, die später auf den Auflagern liegen. Mehr zur Pflege steht im Beitrag Gerüst reinigen und aufbereiten.
Kaufcheck für gebrauchte Holzbohlen
- Herkunft klären: Bohlen aus einem Gerüstbestand oder beliebiges Bauholz?
- Nach Belegen für Sortierklasse S 10 und Festigkeitsklasse C24 fragen.
- Dicke an mehreren Punkten messen und den kleinsten Wert notieren.
- Geplante Stützweite und Lastklasse mit der DGUV-Tabelle abgleichen.
- Jede Bohle an beiden Enden auf Risse ansehen, nicht nur eine Stichprobe.
- Unterseite und Enden mit dem Schraubendreher auf Fäulnis testen.
- Durchbiegung ohne und mit Last messen.
- Die Lagerung beim Verkäufer begutachten.
- Ausgesonderte Bohlen sofort sichtbar kennzeichnen.
Wann sich gebrauchte Bohlen lohnen
Für ein Kupplungsgerüst mit kurzen Feldern oder als Ergänzung an Ecken und Anbauten können gut erhaltene Bohlen aus einem gepflegten Bestand sinnvoll sein. Bei verwittertem Holz unbekannter Herkunft lohnt der Aufwand selten, weil nach dem Aussortieren oft nur ein kleiner Rest übrig bleibt. Systemgerüste sind auf ihre eigenen Beläge aus Stahl oder Aluminium ausgelegt; wer dort Holz einsetzen will, klärt vorher, ob die Aufbau- und Verwendungsanleitung das vorsieht. Gebrauchte Systembeläge führen wir unter Gerüstbeläge. Wie Sie Gebrauchsspuren an anderen Teilen einordnen, lesen Sie unter Gebrauchsspuren am Gerüst.
Quellen
- § 57 der österreichischen Bauarbeiterschutzverordnung, BGBl. 340/1994 – Rechtsinformationssystem des Bundes, Fassung beim Abruf am 26.10.2026
- „Verwendung von Arbeits-, Schutz- und Montagegerüsten“, Abschnitte 6.9.4 und 6.9.5 mit Tabelle 4 – DGUV Information 201-011, Sachgebiet Hochbau, 01/2023
- R 408, Empfehlung zu Auf- und Abbau sowie Nutzung von échafaudages de pied, Abschnitt 5.3.1 und Anhang 3 – CNAMTS, Juni 2004
- „Gerüstbeläge von Fassadengerüsten – Anforderungen“, Factsheet Nr. 33020 der Suva, undatiert
Häufige Fragen
Wie dick muss eine Gerüstbohle mindestens sein?
Nach DGUV Information 201-011 mindestens 3,0 cm. Eine so dünne Bohle darf laut Tabelle der DGUV aber nur bis 1,25 m frei spannen, für übliche Feldlängen braucht es dickere Bohlen oder Zwischenauflager.
Wie weit darf eine 4,5 cm dicke Gerüstbohle spannen?
Bei 24 cm Breite im Arbeitsgerüst nach DIN 4420-3 bis 2,50 m in den Lastklassen 1 bis 3 und bis 2,25 m in Lastklasse 4. Maßgeblich ist die tatsächlich gemessene Dicke der gebrauchten Bohle.
Was bedeutet S 10 bei Gerüstbohlen?
S 10 ist eine Sortierklasse nach DIN 4074-1, die das Holz nach seinen Wuchsmerkmalen einstuft. Zusammen mit der Festigkeitsklasse C24 nach DIN EN 338 ist sie die Mindestanforderung der DGUV für Gerüstbauteile aus Holz.
Woran erkenne ich, dass eine gebrauchte Holzbohle ausgedient hat?
An aufgerissenen Enden, faulen oder weichen Stellen, deutlichem Dickenverlust, Querrissen und an bleibender Durchbiegung ohne Last von mehr als 1/100 der Stützweite. Jedes dieser Merkmale reicht zum Aussortieren.
Kann ich gerissene Gerüstbohlen mit Blech oder Schrauben reparieren?
Nein. Geflickte Bohlen lassen sich in ihrer Tragfähigkeit nicht verlässlich beurteilen. Bohlen mit aufgerissenen Enden oder Brüchen werden aussortiert und höchstens noch für Zwecke außerhalb des Gerüsts genutzt.
Passendes Gerüst finden
Komplette Pakete mit Stückliste stehen unter gebrauchte Gerüste, Einzelteile unter Gerüstteile. Ihre eigene Fassade rechnet der Gerüstkalkulator Wand für Wand.