Abholung, Pflege & Wiederverkauf · 9 Min. Lesezeit

Weißrost, Rotrost, Fehlstellen: so beurteilen Sie die Verzinkung gebrauchter Gerüstteile

Die Zinkschicht entscheidet mit darüber, wie viele Jahre ein gebrauchtes Gerüstteil noch vor sich hat. Wie Sie Weißrost, Rotrost und blanke Stellen richtig einordnen.

Weißrost ist bei gebrauchten Gerüstteilen meist ein Befund an der Zinkschicht und kein Grund zum Aussortieren. Rotrost dagegen zeigt, dass der Stahl selbst angegriffen wird. Ob eine Verzinkung noch in Ordnung ist, lässt sich an den Maßstäben der DIN EN ISO 1461 festmachen: Sie verlangt für neu verzinkte Teile je nach Stahldicke im Mittel zwischen 45 und 85 µm Zink, erlaubt unverzinkte Fehlstellen von zusammen höchstens 0,5 % der Oberfläche und einzeln höchstens 10 cm² und fordert für Ausbesserungen mindestens 100 µm. Wie lange die verbliebene Schicht noch schützt, hängt stark von der Umgebung ab. Nicht mehr verwendet werden Teile, bei denen die Korrosion bereits Wandstärke gekostet hat.

Warum die Zinkschicht beim Gebrauchtkauf zählt

Feuerverzinkter Stahl ist doppelt geschützt: Das Zink deckt die Oberfläche ab, und wo es kleine Verletzungen gibt, korrodiert es bevorzugt an Stelle des Stahls. Dieser Schutz verbraucht sich langsam. Ein gebrauchtes Teil mit kräftiger, geschlossener Zinkschicht hat noch viele Einsatzjahre vor sich; ein Teil, dessen Zink an vielen Stellen aufgezehrt ist, steht am Anfang seines Rostens. Für Käufer ist die Verzinkung deshalb ein wichtiger Hinweis auf die Restlebensdauer, für Verkäufer ein Argument, das sich mit Fotos und Messwerten belegen lässt.

Drei Befunde auseinanderhalten

Weißrost

Weißrost sind weiße bis hellgraue, pulvrige oder flockige Beläge auf der Zinkoberfläche. Sie entstehen, wenn verzinkte Teile lange feucht liegen und kaum Luft herankommt – typisch für dicht gebündelte Rahmen, die nass eingelagert wurden, oder für Beläge, die aufeinander liegend Regen abbekommen haben. Optisch wirkt das dramatisch, meist ist aber nur die oberste Zinklage betroffen. Bürsten Sie lose Beläge mit einer Kunststoffbürste ab, lassen Sie die Teile luftig trocknen und sehen Sie sich die Oberfläche danach noch einmal an. Ist darunter graues, geschlossenes Zink, ist der Befund erledigt. Bei sehr dicken Krusten lohnt eine Schichtdickenmessung, denn starker Weißrost zehrt am Zinkvorrat.

Rotrost

Rotbraune Verfärbungen bedeuten, dass Eisen korrodiert. Entscheidend ist, wo und wie viel. Ein Rostpunkt an einer Bohrung, einer scharfen Kante oder einer Stelle, an der das Zink abgeschlagen wurde, ist eine örtliche Fehlstelle. Flächiger Rost, Rost, der das Zink in Blasen anhebt, und Rost, der in Schuppen abblättert, zeigen dagegen, dass der Schutz großflächig verbraucht ist. Besonders gefährdet sind Rohrinnenseiten, Spalte an Anschlüssen, Bereiche unter Klauen und Spindelgewinde.

Fehlstellen und Abrieb

Blanke Stellen ohne Zink entstehen durch Schläge beim Verladen, durch Reibung beim Stapeln oder durch Werkzeug, mit dem Beton abgeschlagen wurde. Sie glänzen metallisch und rosten bei Nässe schnell an. Matter, grauer Abrieb, unter dem noch Zink liegt, ist dagegen normaler Gebrauch.

BefundErkennungszeichenEinordnungWas zu tun ist
Weißrost, dünnweißer Schleier, abwischbarOberflächeabbürsten, trocken und luftig lagern
Weißrost, dickKrusten, Zink darunter fleckigZinkverlust möglichSchichtdicke messen
Blanke Stelle, kleinmetallischer Glanz, kein RostFehlstellereinigen, ausbessern
Rotrost punktuelleinzelne Punkte an KantenFehlstelle mit Beginn der Korrosionentrosten, ausbessern, beobachten
Rotrost flächig, Blasen, SchuppenZink angehoben, Narben im StahlSchutz verbrauchtWandstärke prüfen, meist aussondern

Mindestschichtdicken nach DIN EN ISO 1461

Die Norm für das Stückverzinken legt fest, wie dick die Zinkschicht bei Auslieferung aus der Verzinkerei mindestens sein muss. Der Wert steigt mit der Dicke des Stahls: von 45 µm im Mittel bei Stahl unter 1,5 mm bis 85 µm bei Stahl über 6 mm. Gerüstrohre liegen dazwischen – ein ausgewerteter Zulassungsbescheid nennt für Vertikalrahmen 2,7 mm Wanddicke, systemfreie Stahlrohre müssen nach DGUV mindestens 3,2 mm haben. Den genauen Mindestwert für diese Zwischenbereiche entnehmen Sie der Norm selbst oder den Arbeitsblättern des Instituts Feuerverzinken.

Wichtig für Gebrauchtware: Diese Zahlen beschreiben den Neuzustand. Ein Teil, das zehn Jahre auf Baustellen war, hat weniger Zink, und das ist normal. Die Frage lautet nicht, ob es den Neuwert noch erreicht, sondern wie viel Reserve übrig ist.

Schichtdicke selbst messen

Mit einem magnetinduktiven Schichtdickenmessgerät lässt sich die Zinkauflage auf Stahl schnell und zerstörungsfrei bestimmen. So gehen Sie vor:

  1. Gerät auf einer unbeschichteten Stahlfläche oder mit den mitgelieferten Folien abgleichen.
  2. Messstellen säubern, lose Krusten entfernen.
  3. Je Teil mehrere Punkte messen: Rohrmitte, Rohrenden, nahe Schweißnähten, an Auflagerflächen und an Stellen, die beim Stapeln aufeinanderliegen.
  4. Mittelwert und kleinsten Wert notieren.
  5. Mehrere Teile eines Postens messen, um ein Bild vom ganzen Bestand zu bekommen.

Ohne Messgerät bleibt der Blick: Geschlossene, gleichmäßig graue Flächen sprechen für ausreichend Zink, ein Flickenteppich aus blanken, braunen und weißen Stellen für einen weitgehend verbrauchten Schutz.

Fehlstellen: wie groß ist zu groß?

Für frisch verzinkte Teile erlaubt DIN EN ISO 1461 unverzinkte Stellen von insgesamt höchstens 0,5 % der Oberfläche, wobei keine einzelne Stelle größer als 10 cm² sein darf. Das entspricht etwa einem Quadrat von gut 3 cm Kantenlänge. Hat ein Bauteil zum Beispiel 0,8 m² Oberfläche (angenommener Wert), dürfen alle Fehlstellen zusammen höchstens 40 cm² groß sein.

Für gebrauchte Teile ist dieser Wert keine Vorschrift, aber ein hilfreicher Vergleich: Ein Teil, dessen blanke oder rostige Stellen schon mehr Fläche ausmachen, als bei Neuware zulässig wäre, braucht eine sorgfältige Ausbesserung – oder es wird ausgesondert, wenn der Stahl darunter bereits Substanz verloren hat.

Ausbessern mit mindestens 100 µm

Die Norm verlangt für ausgebesserte Stellen eine Schichtdicke von mindestens 100 µm, also mehr als die übliche Zinkschicht selbst. Ein kurzer Sprühstoß aus der Dose erreicht das nicht. Wer ausbessert, entfernt Rost und Schmutz bis auf blankes Metall, trägt geeignete Zinkstaubbeschichtung in mehreren Lagen auf und kontrolliert die Dicke mit dem Messgerät. Dabei gilt: Ausbessern ist Korrosionsschutz, keine Instandsetzung. Ein Teil, das durch Rost Wandstärke verloren hat, wird durch frische Beschichtung nicht wieder tragfähig.

Auch eine komplette Neuverzinkung gebrauchter Teile ist ein Eingriff in das Bauteil. Die französische R 408 legt fest, dass verrostetes Material nicht vom Betrieb aufbereitet, sondern ausgesondert wird und nur der Hersteller aufbereiten darf. Klären Sie vor so einem Schritt mit dem Hersteller, ob und wie er möglich ist.

Restschutzdauer nach Korrosivitätskategorie

Wie lange Zink schützt, hängt von der Umgebung ab. Das Institut Feuerverzinken gibt auf Grundlage von ISO 9223 und ISO 14713 für eine 85 µm dicke Zinkschicht folgende Schutzdauern an:

KorrosivitätskategorieBelastungSchutzdauer bei 85 µm
C3mäßig40 bis über 100 Jahre
C4stark20 bis 40 Jahre
C5sehr stark10 bis 20 Jahre
CXextrem3 bis 10 Jahre

Für Gerüstteile sind das Orientierungswerte, keine Zusage. Viele Teile haben von Anfang an weniger als 85 µm, weil ihr Stahl dünner ist, und eine halb so dicke Restschicht hat entsprechend weniger Reserve. Andererseits steht ein Gerüst nicht ununterbrochen im Freien, sondern verbringt Zeit trocken im Lager. Wer überwiegend im Binnenland bei üblicher Belastung baut, hat mit einer geschlossenen Zinkschicht noch lange Ruhe. Teile, die viele Jahre an der Küste, in Industrieanlagen oder über Salzwasser standen, sehen Sie sich genauer an.

Ab wann korrodierte Teile nicht mehr verwendet werden

Die Regeln sind sich in der Sache einig. Zulassungsbescheide des DIBt erlauben die Wiederverwendung unbeschädigter Teile, verlangen aber vor jedem Einsatz eine Sichtprüfung auf Korrosion. Die Schweizer Bauarbeitenverordnung untersagt die Benützung korrodierter Gerüstbestandteile, die österreichische Bauarbeiterschutzverordnung verlangt für Metallteile einen Korrosionsschutz. Die französische R 408 nennt starke Korrosion mit Verlust an Wanddicke ausdrücklich als Grund zum Aussondern, und die DGUV fordert für systemfreie Stahlrohre einen Korrosionsschutz. In der Praxis ergibt das drei Stufen:

  • Weiter verwenden: geschlossene Zinkschicht, Weißrost höchstens oberflächlich, einzelne kleine blanke Stellen.
  • Ausbessern und beobachten: mehrere Fehlstellen oder punktueller Rotrost ohne Narben im Stahl.
  • Aussondern: flächiger Rotrost, Abblätterungen, Narben, spürbar dünnere Wand, Rost an Schweißnähten oder in Anschlüssen.

Für Verkäufer: Zinkzustand belegen

Wer gebrauchtes Gerüst weiterverkaufen will, gewinnt Vertrauen mit nachvollziehbaren Angaben. Fotografieren Sie typische Teile bei Tageslicht, notieren Sie einige Messwerte und beschreiben Sie Weißrost oder Fehlstellen offen. Teile mit flächigem Rotrost gehören nicht in den Posten. Hinweise zum Ablauf finden Sie im Beitrag Gerüst nach dem Projekt wieder verkaufen.

Die beste Pflege ist die Lagerung: Teile trocken und belüftet auf Unterleghölzern stapeln, nasse Bündel öffnen und abtrocknen lassen, Beläge mit Zwischenlagen schichten. So bildet sich kaum Weißrost, und das Zink bleibt dem Stahl erhalten. Wie Sie Mörtel und Beton schonend entfernen, ohne die Zinkschicht zu verletzen, steht im Beitrag Gerüst reinigen und aufbereiten.

Typische Fehler

  • Weißrost mit der Drahtbürste oder dem Winkelschleifer wegschleifen und damit gesundes Zink abtragen.
  • Blanke Stellen mit beliebiger Farbe überstreichen, sodass ein späterer Käufer den Zustand nicht mehr erkennt.
  • Nur die Außenseite ansehen und Rost in Rohren, Spalten und Gewinden übersehen.
  • Nasse Teile eng bündeln und unter Folie lagern.
  • Teile mit Wanddickenverlust nach dem Ausbessern wieder einsetzen.

Für den Gesamteindruck eines Teils lohnt außerdem ein Blick in den Beitrag Gebrauchsspuren am Gerüst.

Quellen

  • Arbeitsblatt F2 „DIN EN ISO 1461“ sowie Ausschreibungstext Feuerverzinken – Institut Feuerverzinken GmbH, Arbeitsblatt 08/2025
  • DIBt-Bescheid Z-8.1-990, Abschnitt 4.1 und Tabelle 1 – Zulassung und Bauartgenehmigung eines Stahl-Rahmengerüsts, Deutsches Institut für Bautechnik, Bescheid vom 03.03.2026
  • Schweizer Bauarbeitenverordnung BauAV, Art. 48 (SR 832.311.141) – Bundesrat, Fassung mit Stand 1. Januar 2024
  • Österreichische BauV (BGBl. Nr. 340/1994), § 55 – Republik Österreich, RIS, abgerufen am 26.10.2026
  • Französische Empfehlung R 408 „échafaudages de pied“, Abschnitt 5.3 und Anhang 3 – herausgegeben von der CNAMTS, verabschiedet 10.06.2004
  • „Verwendung von Arbeits-, Schutz- und Montagegerüsten“, Abschnitt 6.9.2 (DGUV Information 201-011) – DGUV, Januar 2023

Häufige Fragen

Ist Weißrost an gebrauchten Gerüstteilen ein Mangel?

Meist nicht. Weißrost entsteht, wenn verzinkte Teile lange feucht und ohne Luft liegen, und betrifft in der Regel nur die Oberfläche des Zinks. Abbürsten, trocknen lassen und prüfen, ob darunter geschlossenes Zink liegt. Bei dicken Krusten hilft eine Schichtdickenmessung.

Ab wann darf ein rostiges Gerüstteil nicht mehr verwendet werden?

Sobald die Korrosion den Stahl selbst schwächt: flächiger Rotrost, abblätternde Schichten, Narben oder spürbar dünnere Wandstärke. Auch Rost an Schweißnähten oder in Anschlüssen ist ein Grund zum Aussondern.

Wie dick ist die Zinkschicht auf Gerüstteilen?

DIN EN ISO 1461 schreibt für neu verzinkte Teile je nach Stahldicke im Mittel zwischen 45 µm (unter 1,5 mm Stahl) und 85 µm (über 6 mm) vor. Gerüstrohre liegen mit ihrer Wanddicke dazwischen. Gebrauchte Teile haben durch Abrieb meist weniger, entscheidend ist die verbliebene Reserve.

Reicht Zinkspray, um blanke Stellen am Gerüst auszubessern?

Ein einzelner Sprühstoß meist nicht. Die Norm verlangt für Ausbesserungen mindestens 100 µm Schichtdicke. Dafür sind gründliche Vorbereitung und mehrere Lagen nötig, am besten mit Messgerät kontrolliert. Ausbessern schützt vor weiterem Rost, macht geschwächte Teile aber nicht wieder tragfähig.

Wie lange hält die Verzinkung eines Gerüsts?

Für eine 85 µm dicke Zinkschicht nennt das Institut Feuerverzinken je nach Umgebung 40 bis über 100 Jahre bei mäßiger Belastung (C3) und 3 bis 10 Jahre bei extremer Belastung (CX). Gerüstteile mit dünnerer Schicht oder starkem Abrieb haben entsprechend weniger Reserve.

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